
Studie Bike+Ride in Sachsen
Viele Pendlerstrecken könnten vom Auto auf die Bahn verlagert werden, wenn die Bahnhöfe nicht nur aus dem unmittelbaren Umfeld, sondern auch aus einem größeren Umkreis besser erreichbar wären. Das Fahrrad spielt hier eine Schlüsselrolle.
Der ADFC möchte neben dem Ausbau des Radwegenetzes in Städten, Dörfern und Gemeinden auch den Radverkehr als Zubringer zu Bahnhöfen und Haltepunkten voranbringen und einen deutlichen Ausbau der Abstellanlagen erreichen.
2025 haben ca. 40 Aktive des ADFC die 511 sächsischen Bahnhöfe und Haltepunkte besucht, alle Fahrradabstellanlagen am Bahnhof dokumentiert und nach Qualität kategorisiert.
Die Nutzung von Regionalbahnen, Regionalexpressen und S-Bahnen hat in den letzten Jahren in Sachsen mit einem Plus von 29% eine deutliche Steigerung erfahren.
Auch bei den Abstellanlagen an Sachsens Bahnhöfen gibt es Zuwachs: Um ca. 20% hat die Zahl der Fahrradbügel, Doppelstockparker und Fahrradboxen zugenommen. Besonders erfreulich ist die große Zahl neuer Bahnhöfe mit Note 1 (17 Bahnhöfe, nachdem es 2019 nur 3 gewesen sind). An Sachsens Bahnhöfen befinden sich im Vergleich zu 2019 deutlich mehr diebstahlsichere abschließbare Fahrradparkplätze in Fahrradboxen oder Sammelschließanlagen (2019: 87 Plätze, 2025: 708 Plätze). Erfreulich ist ebenso der Rückgang der Zahl untauglicher Abstellmöglichkeiten um 11%. Denn solche einfachen Vorderradhalter sind anfällig für Vandalismus und bieten keine Möglichkeit, den Fahrradrahmen zu sichern. Sie sind daher für hochwertige Fahrräder nicht geeignet. Bei der Neuausstattung von Bahnhöfen sollten sie nicht mehr verbaut und sukzessive durch geeignete Anlagen ersetzt werden.
Insgesamt deutet die Studie des ADFC zu Bike&Ride in Sachsen jedoch auf einen hohen Handlungsbedarf im Freistaat hin: 52% der sächsischen Bahnhöfe erreichte die Mindestkriterien nicht und erreichten lediglich Note 5 oder 6. Diese hohe Durchfallquote ist weiterhin ein bedenklicher Wert. Bei der Studie des ADFC Sachsen im Jahr 2020 lag sie noch bei 59% durchgefallenen Bahnhöfen.
Damit Pendeln mit Rad und Bahn attraktiver wird und breitere Nutzergruppen für die Pendlermobilität im SPNV erreicht werden, muss Sachsen bei Bike&Ride in die Breite gehen. Der Ausbau der Abstellanlagen erfolgt bisher nicht nach einheitlichen Vorgaben, nach zahlreichen unterschiedlichen Vermarktungs- und Bezahlmodelle und oft in Abhängigkeit von lokalen Initiativen einzelner Kommunen.
Ein Blick nach Brandenburg zeigt, wie auch in Sachsen mehr Tempo in den Ausbau von Bike&Ride gebracht werden könnte: Der Verkehrsverbund Brandenburg (VBB) hat ein modulares Bike&Ride-System entwickelt, mit dem schnell und für die Kommunen vergleichsweise unkompliziert hochwertige Abstellanlagen an den Bahnhof gebracht werden können. Zu den 16.744 Abstellplätzen (Stand 2020) möchte der VBB bis zum Jahr 2030 über 21.000 zusätzliche Abstellanlagen an den Bahnhöfen in Brandenburg schaffen, davon knapp 13.000 als diebstahlsichere Plätze in Fahrradparkhäusern, Fahrradboxen oder Sammelschließanlagen.
Die Studie Bike&Ride in Sachsen ist ein ehrenamtlich und mit Mitteln des ADFC Sachsen finanziertes Projekt. Über eine Spende für die Druck- und Portokosten freuen wir uns sehr.


















